Energiepreise: Langfristig dominiert Knappheitsregime

von David Gartmann am 9. September 2011 · Kein Kommentar

Obwohl die wirtschaftliche Bedeutung regenerativer Energien zunimmt, wird die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von fossilen Energierohstoffen auch in den kommenden Jahrzehnten hoch bleiben. Die absehbare Verknappung von Erdöl dürfte tendenziell steigende Ölpreise bewirken.

Am Ölmarkt gelten die freien Förderkapazitäten, die sich innerhalb der OPEC konzentrieren, als sehr aussagekräftiges Knappheitsmass und als Indikator für den weiteren Ölpreisverlauf. Der Preis für einen nicht erneuerbaren und nicht rezyklierbaren Rohstoff wie Öl orientiert sich nicht nur an der aktuellen, sondern auch an der erwarteten Knappheit in der Zukunft.

Das Anfang des neuen Jahrhunderts angelaufene Regime struktureller Knappheit am Ölmarkt dürfte durch die jüngste Konjunktureintrübung nur vorübergehend unterbrochen werden. Den Hintergrund bilden Angebotsknappheiten, die aus den Unterinvestitionen während der 90er-Jahre entstanden und im darauffolgenden Jahrzehnt nicht nur nicht behoben, sondern durch die Finanz- und Kreditkrise noch verschärft wurden.

Heute macht selbst die OPEC, auf die drei Viertel der bekannten Ölreserven entfallen, keinen Hehl mehr aus ihrer Sorge betreffend noch vorhandener Ölreserven. Die Ausbringung existierender Ölfelder nimmt vielerorts schneller ab als erwartet – und dies nicht nur in Regionen wie Mexiko, die ihren Oil-Peak bereits überschritten haben. Bereits seit den 60er-Jahren sind neu entdeckte Ölfelder typischerweise kleiner und technisch schwieriger zu erschliessen, was die Kosten der Exploration in den letzten Jahren deutlich erhöht hat. Zusätzlich eingetrübt hat sich das Investitionsklima aus Sicht westlicher Ölfirmen durch Verstaatlichungstendenzen in wichtigen Erdöl fördernden Ländern wie Venezuela, Bolivien und Russland, aber auch durch Umweltschutzauflagen in westlichen Staaten.

Langfristig dürfte sich der Spagat zwischen angebotsseitiger Knappheit einerseits und steigendem Energiebedarf in den Schwellenländern andererseits immer schwieriger gestalten – ein Spagat zwischen einer immer aufwändigeren Ölförderung und dem steigenden globalen Energieverbrauch, der laut Prognosen von IEA, IWF und OECD bis 2030 um rund 50% zunehmen wird. Gut die Hälfte der Zuwächse entfallen dabei allein auf China und Indien. Vor diesem Hintergrund rechnen Institutionen wie der IWF mit Ölpreissteigerungen von real rund 60% noch bis Ende des Jahrzehnts.

Derzeit werden rund 85% des globalen Energiebedarfs durch fossile Energieträger gedeckt. Durch die begrenzten fossilen Ressourcen kann der wachsende Energiebedarf nicht annähernd gedeckt werden. Weltweit werden deshalb Fördermassnahmen aufgelegt, um neue Energien zu erschliessen; dennoch können erneuerbare Energien selbst bei Fortsetzung der bisherigen Wachstumsraten nicht gleichzeitig die Abnahme fossiler Energieträger ersetzen und die weitere Steigerung der verfügbaren Energiemenge bewirken.

Anleger sollten sich klarmachen, dass alle Prognosen zum Ausbau der erneuerbaren Energien für die kommenden Jahre noch mit grossen Unsicherheiten behaftet sind. Von den politischen Absichtserklärungen bis zu den konkreten Auftragseingängen der Hersteller ist es oft ein weiter Weg.

Wir raten daher davon ab, innerhalb des Sektors ausschliesslich auf Firmen zu setzen, die in den Bereichen „Erneuerbare Energie“, „Dezentrale Energiesysteme“ und „Energieeffizienz“ tätig sind. Die Gründe dafür sind:

  • Wir bleiben noch viele Jahre von fossilen Energieträgern abhängig (vgl. Prognose des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung).
  • Viele Firmen, die in der Solar- und Windtechnik tätig sind, arbeiten nicht kostendeckend.
  • Bereitschaft vieler Staaten, erneuerbare Energien zu subentionieren, wird wegen der hohen Staatsschulden sinken.

Für uns umfasst der Energiesektor sämtliche Unternehmen, die vornehmlich in der Produktion, dem Transport, der Verarbeitung, dem Handel und der Distribution von Energie tätig sind. Berücksichtigt werden auch Anbieter von Ausrüstungsgütern und Dienstleistungen für den Energiesektor sowie Gesellschaften, die Beteiligungen an derartigen Unternehmen halten oder solche finanzieren. Energie bedeutet für uns nicht nur Öl und Gas, sondern auch Kohle und das ganze Spektrum der erneuerbaren Energien.

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