Panik breitet sich an den Finanzmärkten aus, Aktienkurse fallen bei hohen Volumina rasant, die Renditen von als sicher geltender Staatsanleihen purzeln in Richtung ihrer historischen Tiefststände und die Preise von Rohstoffen sinken. Alleine Gold dient neben dem Schweizer Franken als sicherer Hafen. Wer sein Depot gut strukturiert und seiner Risikotragfähigkeit angepasst hat, solle keine übereilten Panikverkäufe tätigen.
Für 1.16 EUR pro CHF habe ich mich vor meinen Ferien hinreichend mit Euro eingedeckt in dem festen Glauben, hier ein gutes Geschäft zu machen. Nach zwei Ferienwochen hat der Euro weitere rund 10% verloren, und wir haben kurzfristig sogar nah an der Parität notiert. Und dieses Bild zeigt sich nicht nur gegenüber dem Euro, sondern bis auf wenige Ausnahmen, faktisch gegen alle Währungen. Begründungen für diese dramatische Entwicklung reichen von der hohen Staatsverschuldung vieler Industriestaaten im Allgemeinen, der Euro-Krise und des Downgrades der USA im Speziellen bis zu allgemeinen Konjunktursorgen.
Die Verunsicherung wundert nicht, wenn man schaut, wie viel Geld in den letzten Wochen am Kapitalmarkt vernichtet wurde. Gerade Anleger, in der Referenzwährung Schweizer Franken haben herbe Wertverluste hinnehmen müssen. Die Portfolios haben nicht nur gelitten, weil Schweizer Aktienkurse seit Jahresanfang um mehr als 20% eingebrochen sind. In einem weltweit diversifizierten Portfolio haben sie zusätzlich Währungsverluste hinnehmen müssen. So sind EUR, USD und GBP im Schnitt rund 20% gegenüber dem Schweizer Franken gefallen.
Was nun? Panik ist sicherlich in einer solchen Situation nicht der richtige Ratgeber. Vielmehr ist es wichtig, eine Detailanalyse der Portfolios zu machen und zu überprüfen, ob in der „neuen“ Marktsituation Anpassungen nötig sind. Insofern es sich um wohl diversifizierte Portfolios ohne hohe Einzelwetten handelt, so lassen sich folgende Schlüsse ziehen:
Aktien: Die Risikoprämie von Aktien gegenüber Anleihen ist kräftig angestiegen und derzeit auf einem attraktiven Niveau. Die fundamentalen Rahmenbedingungen bleiben gut: Die Bilanzqualität der Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren verbessert und die Verschuldung ist auf historisch niedrigem Niveau. Zudem bleiben die Unternehmensgewinne erfreulich. Zwar wird sich in den kommenden Monaten voraussichtlich die Gewinndynamik reduzieren, nicht aber die Höhe der Unternehmensgewinne. Man kann daher Aktien derzeit auf einem attraktiven Niveau halten oder bei einem geringem Aktiengewicht im Portfolio sukzessive aufbauen.
Schweizer Franken: Der Schweizer Franken ist nach allen gängigen Bewertungsmethoden klar überbewertet. Und das ist unabhängig von kurzfristigen Wachstumserwartungen. Denn langfristig orientiert sich eine Währungsrelation alleine an den unterschiedlichen Entwicklung der Preise in zwei Währungsräumen. Langfristig wird Arbitrage daher dazu führen, dass sich die Währungsrelationen wieder dem fairen Wert annähern. Laut SNB liegt der faire Wert des EUR bei gut 1.40 und des USD bei rund 1.14. Fremdwährungen sind daher derzeit extrem günstig bewertet. Ein Verkauf dieser Währungen macht unseres Erachtens keinen Sinn.
Obligationen: Die Notenbanken überfluten aus den unterschiedlichsten Gründen den Markt mit Liquidität. In den USA aus Konjunktur- und Verschuldungssorgen, die EZB versucht eine Eskalation der Schuldenkrise zu vermeiden und die SNB stemmt sich gegen den starken Schweizer Franken. Auch heute hat die SNB weitere Massnahmen angekündigt, die Liquidität am Franken-Geldmarkt weiter auszuweiten, um die starke Aufwertung des Franken zu stoppen. Ergebnis bleibt ein massiver expansiver geldpolitischer Impuls. Würden Sie im grossen Stil Obligationen in einem Umfeld kaufen, in dem die realen Renditen (und teilweise sogar schon der nominalen Renditen) der meisten Obligationen mit hoher Bonität negativ sind und zusätzlich das Risiko besteht, dass die expansive Geldpolitik mittel- bis langfristig zu Inflation führt?
Fazit:
- Wir halten Aktien unvermindert für attraktiv,
- wir halten den Franken für stark überbewertet und
- wir erachten Obligationen für zu teuer.
Eine klare Meinung, die sich auch in unseren Portfolios niederschlägt. ABER: Die Historie hat gezeigt, dass Märkte zu extremen Übertreibungen neigen und diese Übertreibungen insbesondere auch am Devisenmarkt extrem lang anhalten können. Diese Marktphase ist daher nichts für schwache Nerven, die Anleger brauchen einen langen Atem.
